Vor einer Woche hatten wir schon einmal Anlauf genommen und sind mit Kabinenbahn zum Füssener Jöchle hoch, bis der Regen kam. Heute gibt es wieder Bergwetter und wir wagen einen zweiten Versuch. Es ist merklich kühler geworden, aber die Sonne scheint.
Im Aufstieg lassen wir heute den Gamskopf links liegen und steigen gleich auf schmalem Pfad hinauf bis zur Scharte, wo wir das letzte Mal nach Sichtung der Gämsen umgekehrt sind.
Klar halten wir auch heute nach den Gämsen Ausschau und können sie auf dem felsendurchsetzten Wiesenhang rechterhand entdecken. Und es sind noch mehr Tiere, als beim letzten Mal. Meine Schwester hat das Fernglas dabei und zählt 21 Tiere, die sich gut beobachten lassen. Herrlich!
Nun folgt ein längerer Zick-Zack-Abstieg und wir müssen gut auf unsere Füße achten. Prima Kraxelei durch ein weites Hochkar. Im Hintergrund ist auf einem Felsvorsprung die Bad Kissinger-Hütte vor dem mächtigen Aggenstein zu sehen.
Wenn wir dort hin wollen, müssen wir erst weit hinunter bis zur Sebenalm und dann auf schmalen Pfaden wieder gut hinauf.
Auch wenn uns der Weg gefällt, ist er nicht ohne. Die Kraxelei kostet Kraft. Bis zur Sebenalm sind wir ca. 2 Stunden unterwegs. Dort legen wir jetzt eine längere Pause ein und überlegen: hoch zur Hütte oder (vernünftigerweise) langer Abstieg ins Tal?
Die Zeitreserven sind zwar da, aber ob die Kraft nach dem Aufstieg zur Hütte noch reichen würde, unfallfrei ins Tal abzusteigen? Wir entscheiden uns heute für den Abstieg und haben damit alles richtig gemacht.
Bevor wir absteigen, blockiert eine Kuh unseren Weg. Wir müssen ausweichen, um vorbei zu kommen.
Dann beginnt auf schmalem Pfad der lange, kraxelige Abstieg ins Tal. Ja, mit der Kabinenbahn waren wir fix ganz oben. Da denkt man noch nicht daran, wie man vom Berg wieder runter kommt. Wer hat hier nur die vielen Steine auf den Weg gelegt?
Über der Bad Kissinger-Hütte kreist ein Hubschrauber der Bergrettung und nimmt mit Seilwinde einen Passagier an Bord.
Wir sind froh, weit unten endlich den breiten, bequemen Forstweg zu erreichen, der sich in weiten Kehren bergab schlängelt. Der Teufel reitet mich, von diesem abweichend die steile Abkürzung hinab zu steigen. Auf dem letzten Stück wird auf dem breiten Weg geblieben!
Nach insgesamt ca. 4 Stunden haben wir den Lumberger Grat umrundet und erreichen unseren Talort Grän.
Späte Mittagseinkehr. Das Bier zischt und die große Pizza wird problemlos vertilgt.
Das war heute eine herrliche, aber fordernde Bergtour. Die Tour zur Bad Kissinger-Hütte wird nicht weiter verfolgt. Morgen brauchen wir einen Erholungstag!
