Auf die Zickerschen "Berge"

Ich lasse mich heute von einem Flyer nach Groß Zicker locken. Das liegt unweit von Göhren im Mönchgut. Den Bus dorthin kann ich mit Kurkarte kostenlos nutzen. Am Ende der Boddenstrasse werde ich vom Naturführer erwartet, aber leider bin ich der einzige Interessent. Schade, schade - ich bekomme nur eine Wegbeschreibung und darf mich allein auf Tour begeben. Aber was soll ich sagen: es wird eine fantastische Runde und meinen aufkommenden Ärger habe ich schnell vergessen. Schon im gemächlichen Aufstieg erwarten mich blumenreiche Wiesen, sogar eine Orchidee entdecke ich. Außerdem öffnet sich, je höher ich steige, eine wunderschöne Aussicht auf die Boddenlandschaft und ich bin nur noch damit beschäftigt, viele Bilder zu knipsen. Erst schaue ich auf Groß Zicker unter mir, hinterm Bodden Klein Zicker und Thiessow. Ich steige über die Kuppe und habe das ganze Panorama von Südost-Rügen vor mir: Insel Vilm, Reddewitzer Höft, über den Wald schaut Schloss Granitz, sind das Sellin oder Baabe?, auf jeden Fall erkenne ich Göhren mit dem Nordperd und davor Middelhagen (beinahe hätte ich jetzt Mittelerde geschrieben, hier könnten auch Hobbits wohnen) und unter mir Gager. Wie für mich gemacht findet sich am Waldrand ein schattenspendender, überdachter Aussichtsplatz. Hier kann ich sitzen und einfach nur den Ausblick genießen. Dann steige ich weiter hinauf. Nur wenige Leute sind hier unterwegs. Der Weg Richtung Nonnenloch ist perfekt markiert. Vögel zwitschern, ein Kuckuck ruft. Noch ein kleines Stück bergab durch den schattigen Wald (bei dem heutigen Hochsommerwetter ein Genuss), dann habe ich die steile Treppe hinunter zum kleinen Strand erreicht. Mit der Beschreibung des Naturführers ist auch die Quelle, das Nonnenloch, fix entdeckt. Klar fülle ich hier meine Trinkflasche, auch wenn ich erstmal schauen muss, wie's am besten geht, weil mehrere Rinnsale nebeneinander herab tröpfeln. Am Steilufer kann ich nicht entlang laufen, weil es hier mächtig bröckelt. Also Treppe wieder rauf - die Wegweiser in Richtung Gager habe ich schon gesehen. Nun folgt ein ganzes Stück über sonnenbeschienene Hänge. Es ist warm und ich freue mich über jedes Lüftchen. Nur die Aussicht entschädigt wirklich. Über weite Wiesen hinauf, später wieder bergab und oberhalb des Boddens lang bringt mich der Weg nach Gager. Die nun gepflasterten Straßen haben die Wärme zusätzlich gespeichert. Ich halte Ausschau nach einer Einkehrmöglichkeit. Und die finde ich mit dem Lütt Fischeck, einer kleinen Fischtheke mit ein paar versteckten (Schatten-)Plätzchen dahinter. Ich probiere mich durch: geräucherter Aal und Buttermakrele, wahnsinnig lecker!!! Wie in Vitt! Na, da nehme ich mir zum Abendbrot doch gleich noch einmal ein dickes Stück Schwarzen Heilbutt mit. Und bei einem eiskalten Radler ist die Wärme des Tages schnell vergessen. Nach dieser wohltuenden Rast nehme ich den Rückweg in Angriff. Der lotst mich auf den höchsten Gipfel, den Bakenberg, stolze 69 m hoch!!! Aber was für eine 360 Grad-Rundumsicht!!! Bilder knipsen, flatternde Schwalbenschwänze beobachten - wenn die Wärme nicht wäre, könnte ich hier sitzen bleiben. Spüre ich da etwa einen geröteten Oberarm? Vorsorglich hole ich mein leichtes Tuch aus dem Rucksack und hoffe, dass ich damit einen Sonnenbrand vermeiden kann. Ich folge dem Hang und nähere mich Groß Zicker. Nur noch kurz hinab, dann habe ich meine prima Runde beendet. Und bis der Bus kommt, bleibt noch Zeit für ein Eis. War das ein schöner Ausflug. Im Nachgang bin ich dankbar, dass mich der Flyer hier her gelockt hat. Der Schwarze Heilbutt füllt bereits wohlig meinen Magen. So langsam muss ich an die Heimreise denken.

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Diese Seite enthält einen einen einzelnen Eintrag von Hanne vom 3.06.19 18:51.

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